Wie passend

Warten sie, ich hab‘s passend.
Wie passend.
Wie passend?
Ja, wie passend. Das passt mir gut.
Das hatte ich falsch verstanden. Passiert ja mal.
Passiert ihnen das öfter?
Dass ich es passend habe?
Dass sie etwas falsch verstehen.
Ja, manchmal fühle ich mich wie ein fremder Passagier in mir.
Auf einer Passage ins Ungewisse?
Als wäre ich nur passiver Beobachter.
Dann sollten sie aufpassen.
Wenn’s passt, versuch ich es.
Ist ja irgendwann auch kein Spass mehr.
Das stimmt. So, das waren nur die Pasta?
Und die passierten Tomaten. Macht 5 Mark 50.
Warten sie, ich hab’s passend.

Herrliche Ruhe

Taub vom Staub.
Die Arme verschränkt.
Die Augen offen.
Ich liege Zuhause.
Und bin doch so fern.
Stille dröhnt in meinem Kopf.
Meine Gedanken schreien mich an.
Kein klarer Gedanke will gelingen.
Bis die Presslufthammer wieder loslegen.
Herrliche Ruhe.

Die Reise | 1. Brief

Lieber Freund,

lange schon wollte ich dir schreiben. Und doch hielt mich immer etwas davon ab. Nicht, dass ich nicht wissen wollte, wie es dir geht und was dir widerfährt, ich schob es nur jeden Tag vor mir her, wissend, dass ich so viel verpasse in deinem Leben. Auch war ich nach deinem letzten Besuch bei uns nachdenklicher geworden und mich überkam fast täglich eine ungekannte Traurigkeit, die ich nicht besser beschreiben kann, als wenn ich sagen würde, dass ich etwas vermisse. Wie sehr ist mir alles einerlei geworden, wie sehr bin ich meines Daseins überdrüssig. Die Frau, die Kinder, mein Leben als Bankier, meine so genannten Freunde und einfach jeder Tag, den ich hier vergeude. Nichts macht mich mehr glücklich. Wie andere in den Schoß der Familie, so zieht es mich in die Ferne. Weitab allem Bekannten und zurück in das, was man Leben nennt. Das, was wir hatten und was du noch heute hast. Wie sehr wünsche ich mir die Zeit zurück, in der wir gemeinsam durch Wald und Wiesen liefen, zusammen die tollsten Abenteuer erlebten und jeden Tag genossen, als gebe es kein Morgen. Ich weiß nicht, ob du mich verstehen kannst oder jetzt kopfschüttelnd über diesem Brief sitzt und dich fragst, von welch Teufel dein alter Freund heute wieder besessen ist.

Aber du weißt nicht, wie es ist, wenn man in dieser Provinz zurückgelassen wird. Hier gibt es nicht viel, was die Menschen antreibt, außer ihren eigenen Problemchen, die weit kleiner sind, als sie es sich selbst eingestehen wollen oder können. Die wenigsten hier sind in der Lage auch nur zu erahnen, was die Welt für sie bereithalten könnte und noch weniger wären bereit sich darauf einzulassen. Sofern sie jemanden finden, und sie finden immer jemanden, der ihnen zuhört, sofern sie etwas zum fressen und saufen und einen Platz zum Schlafen und jemanden zum ficken haben, sofern niemand ihre gewohnte Ruhe stört, sind sie glücklich. Oder denken zumindest, dass sie es wären. Und sie möchten auch nichts anderes, als mit ihren gewohnten und gewöhnlichen Problemchen in ihrer gewohnten und gewöhnlichen Umgebung zu verbleiben. So geht es hier tagein, tagaus und es macht mich krank. Wie ein Geschwür in meinem Kopf wächst der Wunsch, dieses sehr gewöhnliche Leben hinter mir zu lassen.

Und jetzt vermag ich nicht länger zu warten. Seit einigen Wochen schon bereite ich etwas vor, das ich meine Reise zum Glück nenne. Ich spare wo es nur geht und lege jeden Pfennig zur Seite, den ich entbehren kann, um meinem Leben endlich den Sinn zu geben, den es verdient. Der Plan gärt schon länger in mir, aber nun, da auch meine Mutter gestorben ist, sehe ich mich außer Stande, meinem inneren Wunsch zu widerstehen. Mein Vater sagte stets „Jeder ist seines Glückes Schmied“ und er hatte Recht. Nur ich allein habe es in der Hand, meinem Leben eine entscheidende Wendung zu geben und mich selbst glücklich zu machen. Nicht meine Frau, nicht meine Kinder, nicht mein Leben als Bankier und auch nicht meine so genannten Freunde können das. Nur ich allein. Ich bin es leid, an jedem Morgen zu wissen, was mich am Tage und dem folgenden Abend erwartet. Was auf mich zukommt ist immer gleich. Keine Überraschungen lockern den Tag auf. Nichts Ungeahntes passiert mir. Und kein Zauber der mein Leben erhellt.

Morgen werde ich mich auf den Weg machen. Ich habe eine Droschke bestellt, die mich aus der Stadt bringen soll und dabei ist das wohin weit weniger wichtig, als das wann. Denn das habe ich schon lang genug vor mir her geschoben und ich möchte und kann nicht länger warten. Schon jetzt zittert mein Körper bei dem Gedanken an das vor mir Liegende, lässt das Unbekannte mein Herz vor Vorfreude einen Sprung tun. Und so, wie du mich stets an deinem Leben teilhaben lässt, wenn wir uns sehen oder du mir schreibst, werde auch ich dich darüber informieren, was ich erlebe. Ich bin voller Vorfreude auf das, was mich in Zukunft erwartet. Was die Welt mir zu bieten hat und welche neuen Wege ich finden werde.

Ich werde dir berichten.

Dein Jacub

Mach dich frei!

Spreiz die Flügel
Lass dich fallen
Geh den Weg
Der deiner sei
Atme Freiheit
Schließ die Augen
Komm zu mir
Und mach dich frei

Schmeck das Salz
Auf deinem Körper
Tauch jetzt ab
Was ist dabei?
Mal was Neues
Spür das Leben
Tief in dir
Jetzt mach dich frei

Vorwärts, rückwärts
Hör nicht auf
Nimm mich mit
Ich bin dabei
Komm zu mir
Und geh noch weiter
Mach uns glücklich
Mach dich frei

Spür mich in dir
Fühl Ekstase
Leb dich aus
Hier bist du frei
Was du willst
Kannst du erleben
Nimm es dir
Ich bin dabei

Ich

brenn ich
bin ich
such ich
spinn ich
kann ich
will ich
so nicht sein?

soll ich
darf ich
mag ich
gar nicht
muss ich
bleib ich
ganz allein?

hör ich
seh ich
fühl ich
dich nicht
kann ich
wirklich
nicht mehr schrein?

lieg ich
sterb ich
bis un-
endlich
mach ich
gar nichts
So solls sein!

Der Junge

Dunkel schien der Mond durchs Fenster
Auf den Jungen unter Laken
Trauerweiden warfen Schatten
Viel zu schwer, sie zu ertragen
Und er sang ein Lied für sich
Eine Weise voller Trauer
Sein Leiden schien ihm ewiglich
Sein Horizont war seine Mauer
Leise schrie der Sturm zu ihm
„Was du willst wirst du nicht kriegen
Deine Zukunft ist das Gestern
Und dein Ende steht geschrieben“

„Wie habe ich das nur verdient?“
Fragt das Kind mit schwacher Stimme
„War’s mein Fehler, meine Schwäche?“
Die Antwort war nur grelle Stille
Mit nassen Augen, Glieder schwer
Wand er sich unter seiner Decke
Das Weinen hörte niemand mehr
Als wenns je wer vernommen hätte
Da lag er nun auf seinem Grabe
Die Zunge still, das Herz verhärmt
So wie mans ihm gelehret hatte
Vom Besten hatte er gelernt

Dann ging ein Ruck durch seinen Körper
Ein Blitz durchzuckt den kleinen Leib
Er wollte fliehn und endlich leben
Raus aus Einsamkeit und Leid
Er stürzt hinaus aus seinem Zimmer
Unter Jauchzen und Gewimmer
Längs des Weges unumwunden
In den Fluß und ward verschwunden