Ungeheuer

Ich laufe blindlings durch das Feuer
Es trachten wilde Ungeheuer
Mir allenthalben nach dem Leben
Ich laufe fort, ich wills nicht geben
Sie fressen, nehmen, klauen, stehlen
Ernähren sich von meinen Seelen
Bis nichts von mir auf Erden bleibt
Ich laufe fort, hab keine Zeit
Nur so kann ich mich doch noch retten
Leg was ich liebe bald in Ketten
Zum Schutz vor dem was ich nicht kenne
Weil ich schon innerlich verbrenne
Vielleicht kann ich so noch bewahren
Was ich so lieb seit Jahr und Tagen
Und sei es auch nur schöner Schein
Ich teile nicht, denn es bleibt mein
Ich bleibe hier und auch allein

Mach dich frei!

Spreiz die Flügel
Lass dich fallen
Geh den Weg
Der deiner sei
Atme Freiheit
Schließ die Augen
Komm zu mir
Und mach dich frei

Schmeck das Salz
Auf deinem Körper
Tauch jetzt ab
Was ist dabei?
Mal was Neues
Spür das Leben
Tief in dir
Jetzt mach dich frei

Vorwärts, rückwärts
Hör nicht auf
Nimm mich mit
Ich bin dabei
Komm zu mir
Und geh noch weiter
Mach uns glücklich
Mach dich frei

Spür mich in dir
Fühl Ekstase
Leb dich aus
Hier bist du frei
Was du willst
Kannst du erleben
Nimm es dir
Ich bin dabei

Ich

brenn ich
bin ich
such ich
spinn ich
kann ich
will ich
so nicht sein?

soll ich
darf ich
mag ich
gar nicht
muss ich
bleib ich
ganz allein?

hör ich
seh ich
fühl ich
dich nicht
kann ich
wirklich
nicht mehr schrein?

lieg ich
sterb ich
bis un-
endlich
mach ich
gar nichts
So solls sein!

Der Junge

Dunkel schien der Mond durchs Fenster
Auf den Jungen unter Laken
Trauerweiden warfen Schatten
Viel zu schwer, sie zu ertragen
Und er sang ein Lied für sich
Eine Weise voller Trauer
Sein Leiden schien ihm ewiglich
Sein Horizont war seine Mauer
Leise schrie der Sturm zu ihm
„Was du willst wirst du nicht kriegen
Deine Zukunft ist das Gestern
Und dein Ende steht geschrieben“

„Wie habe ich das nur verdient?“
Fragt das Kind mit schwacher Stimme
„War’s mein Fehler, meine Schwäche?“
Die Antwort war nur grelle Stille
Mit nassen Augen, Glieder schwer
Wand er sich unter seiner Decke
Das Weinen hörte niemand mehr
Als wenns je wer vernommen hätte
Da lag er nun auf seinem Grabe
Die Zunge still, das Herz verhärmt
So wie mans ihm gelehret hatte
Vom Besten hatte er gelernt

Dann ging ein Ruck durch seinen Körper
Ein Blitz durchzuckt den kleinen Leib
Er wollte fliehn und endlich leben
Raus aus Einsamkeit und Leid
Er stürzt hinaus aus seinem Zimmer
Unter Jauchzen und Gewimmer
Längs des Weges unumwunden
In den Fluß und ward verschwunden